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Geographie

von Erika Därr

Allgemeines,

Pflanzen und Tiere,

Kulturlandschaften und ihre Bewohner,

Verschiedene Bioregionen

 

Allgemeines

Marokko bildet mit Tunesien und Algerien zusammen den Landschaftsraum der Atlasländer. Die Gipfelhöhen des Atlas-Gebirgsmassivs nehmen westwärts von Tunesien über Algerien nach Marokko hin ständig zu und erreichen im Hohen Atlas ihre größten Höhen. Die beiden Gebirgsketten des nördlichen Rifgebirge an der Mittelmeerküste und des Mittleren Hohen Atlas, der sich Richtung Südwesten bis zur Atlantikküste bei Agadir fortsetzt, umschließen den atlantischen Kernraum Marokkos, die Meseta.

MarokkoIn geologischen Fachkreisen wurde zeitweise diskutiert, ob Afrika nicht schon jenseits der Pyrenäen beginnt oder umgekehrt Europa nicht erst in Südmarokko endet. Diese Vorstellung mag abwegig klingen, sie rührt jedoch daher, daß, geologisch betrachtet, die uralte afrikanische Tafel erst südlich des Hohen Atlas beginnt (und sich andererseits marokkanische und spanische Meseta landschaftlich äußerst ähnlich sind). Tatsächlich trennt die Grenze zwischen Hohen Atlas und Anti-Atlas als sogenannte vorafrikanische Furche die alte afrikanische Tafel (Alter über 1 Milliarde Jahre mit einzelnen Gebirgsbildungen von ca. 350 Mio. Jahren). Wenn von Marokko als einer Insel gesprochen wird, so ist der beschriebene Kernraum mit den umrahmenden Gebirgen im Norden, Osten und Süden gemeint.

Die übrigen Gebiete werden oft als das transmontane Marokko bezeichnet. Hierzu gehört einerseits der Nordosten Marokkos östlich des Flusses Moulouya, ein ebenfalls altes Hochlandmassiv, das jenseits der Grenze nach Algerien in das Hochland der Schotts übergeht. Zum anderen gehören hierzu die Landschaftsräume im Süden und Südosten, die nun in der Tat zum eigentlichen afrikanischen Festlandsockel gezählt werden.

Marokko hat von Norden her bis etwa zum Anti-Atlas Anteil am gemäßigten Mittelmeerklima. Dieses zeichnet sich durch trockene, warme Sommer und milde Winter aus. Die je nach Region meist zwischen 300 und 600 mm schwankenden Niederschläge fallen überwiegend im Winterhalbjahr, wenn atlantische Tiefausläufer bis nach Marokko vorstoßen. Ergänzt werden sie am Atlantik und insbesondere in den Mündungsebenen durch ausgedehnte morgendliche Nebel. Der kalte Kanarenstrom zeigt seine ausgleichende Wirkung unmittelbar an der Atlantikküste bis weit in den Süden Marokkos hinein. Die Tagesmitteltemperaturen liegen nur selten über 25°C beziehungsweise unter 18°C. Im Landesinnern sorgt der Atlantik bis zu den Atlasketten für jahreszeitlich relativ ausgeglichene Temperaturen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt meist um 18°C, die Monatsmittel der wärmsten Monate um 25°C.

 

Pflanzen und Tiere

MarokkoSich im Rahmen einer Urlaubsreis mit entsprechender Literatur auf die Fauna und Flora Marokkos vorzubereiten, ist nicht ganz einfach: Auf dem Markt erhältliche "benutzerfreundliche Bestimmungsbücher mit vielen Abbildungen behandeln in der Regel den Mittelmeerraum als Ganzes und beziehen dabei nur einen vergleichsweise schmalen Küstenstreifen im Norden Marokkos ein (lediglich der LB Naturreiseführer Marokko macht da eine Ausnahme). Die Gründe dafür liegen in der Sache selbst: Marokko gehört zu einem der ältesten Kulturräume und weist in der Tat etliche Gemeinsamkeiten mit anderen Mittelmeerländern auf.

Die südlich gelegenen Trockengebiete stellen zwar spezielle Lebensräume dar und sind daher für die Forschung von Interesse, begeistern aber kaum ein breites Publikum.

MarokkoWer sich mit Marokko beschäftigt, lernt schnell, daß für das Vorkommen und Überleben der Pflanzen und Tiere Wasser der kritische Faktor ist, während die Temperaturen eigentlich ideal wären.

Kulturlandschaften und ihre Bewohner

Marokko ist ein Agrarland, und ein großer Teil der Produkte dient der Subsistenz der einheimischen Bevölkerung. Die Landwirtschaft ist auf natürlich vorkommendes Wasser angewiesen (Täler, Flüsse, Oasen). Dessen Ausnutzung wird durch Bewässerungssysteme verbessert. Unter solchen Voraussetzungen fallen zunächst Kulturpflanzen und Haustiere oder sog. Kulturfolger, z.B. Spatzen, auf.

Kulturlandschaften und ihre Bewohner

MarokkoDie wichtigsten Kulturpflanzen sind etwa: Olivenbäume, Pistazien, Lorbeer, Dattelpalmen, Agaven, Feigenkaktus, Agrumen (das sind die Bäume, die die Zitrusfrüchte liefern), Mandel, Pfirsich, Maulbeere, Walnuß, Feige, Wein, Banane, Baumwolle, Weizen, Gerste, Hirse, Paprika, Artischocke, Aubergine, Mais, Eukalyptus, sog. Mimosen (es sind aber Akazien), Oleander, Thuja, Zypressen, Pappeln und Arganien. Einige dieser Pflanzen sind uns aus dem Supermarkt durch ihre Fürchte oder andere eßbare Teile längst bekannt, trotzdem kann die Entdeckung der ganzen Pflanze zum Erlebnis werden.

Als Nutztiere gehören dazu Geflügel, Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Kamele, Esel und Maultiere. Hunde und Katzen sind nicht eigentlich "Haustiere", sondern führen in Marokko ein recht freies, wildes Leben. Kamel, Pferd, MarokkoEsel und Maultier sind traditionelle Transportmittel - auch heute noch dort, wo man sich kein Motorfahrzeug leisten kann oder die Wegstrecke nicht befahrbar ist. Diese Tiere muß der Mensch miternähren. Rinder, Ziegen und Schafe als "Lieferanten" von Fleisch, Fellen und Wolle (Kleidung, Zelte, Teppiche) müssen geweidet werden. Rinder stellen dabei auch in quantitativer Hinsicht die höchsten Ansprüche an ihre Weidepflanzen und sind entsprechend selten

Die genügsameren Schafe und Ziegen gehören daher typischerweise in eine Mittelmeerlandschaft. Da Ziegen auch verholzte Pflanzen und dornige Sträucher beweiden und beide Tierarten junge Triebe bevorzugen, kann ihre Haltung der natürlichen Pflanzendecke ziemlich zusetzen. In den Lebensraum der Kulturpflanzen gehört selbstverständlich auch eine Reihe von Tieren, die der Mensch nicht direkt nutzt oder als schädlich bezeichnet. Aufgrund der Temperaturen ist Marokko ziemlich ideal für Insekten. Diese bilden die Nahrungsgrundlage für Reptilien (z.B. Eidechsen, Geckos, Skinke), Vögel, Nagetiere und - systematisch - sog. Insektenfresser (das sind z.B. Igel und Spitzmäuse). Man findet hier neben "alten Bekannten" wie Bienen, Ameisen, Tag- und Nachtfaltern, Spinnen, Smaragdeidechsen, Tauben, Spatzen, Nachtigallen, Käuzen, Eulen, Mäusen und Igeln auch Arten, die man bei uns gar nicht oder höchst selten zu Gesicht bekommt: den Dungkäfer Skarabäus oder den echten "heiligen" Skarabäus, die "biblische" Wanderheuschrecke, Fangschrecken, die Maulwurfsgrille, den Hirschkäfer, Skorpione, den Mauretanischen Mauergecko, Hausammer, Steinsperling, verschiedene Grasmückenarten, Blaumerle, Bienenfresser, Blaßspötter, Heckensänger, Zwergohreule und Wimpernspitzmäuse (auch: Weißzahnspitzmäuse)

Verschiedene Bioregionen

MarokkoNeben der maritimen/arabischen Kulturlandschaft kann man in Marokko zwei bis drei andere Landschaftstypen kennenlernen den Wald, dem kleinere Biotope wie Bäche und Seen zugerechnet werden, Trockengebiete sowie als Übergang zur "echten" Sandwüste die Stein- und Halbwüste (Hammada). Dazu bietet Marokko zwei in der Besiedlung durch Pflanzen und Tiere unterschiedliche Küstenstreifen. Da man in der Regel von Norden bzw. Nordwesten in das Land kommt, behandle ich die Lebensräume von der Küste her.

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