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Vorgeschichte

 Phönizier und Karthager

El JadidaDie ersten historischen Fakten, auf die wir zurückgreifen können, belegen das Vordringen des Seefahrer- und Handelsvolkes der Phönizier in den maghrebinischen Raum. Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. begannen diese von Tyros (Libanon) aus im gesamten Mittelmeerraum Handelskolonien zu bilden. Man nimmt an, daß sie um 1100 v. Chr. durch die Meerenge von Gibraltar sogar in den Atlantik vorstießen. In der Folgezeit wurden u.a. Gadir (Cadiz, Südspanien) und Liks (röm. Lixus, bei Larache in Nordmarokko) sowie Rusaddir (Melilla) gegründet. Gehandelt wurde mit der einheimischen Bevölkerung, die wahrscheinlich Masmouda-Berber waren. Bis zur Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. wurden weitere Handelsstützpunkte angelegt: Tingis (Tanger), Rusibis (Mazagan, EI-Jadida) und Chellah (bei Rabat). Diese Gründungen sind schon als karthagisch zu bezeichnen, zumal bald nach der Gründung von Karthago im Jahre 814 v. Chr. (überliefertes Datum) die Einwohner dieser Kolonie die Oberhoheit über die bis dahin phönikischen Handelsniederlassungen im westlichen Mittelmeerraum übernahmen (6. Jh. v. Chr.). Um das Jahr 460 v. Chr. unternimmt der karthagische Seefahrer Hanno seine "Afrika-Umseglung", die ihn bis in die Gegend des Rio de Oro, vielleicht gar bis zum Goll von Guinea führte. Das bekannteste Handelsgut in der Folgezeit wurde die Purpurschnecke, eine begehrte Ware bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung. Die einheimische Bevölkerung war bis in die letzten vorchristlichen Jahrhunderte nur sehr lose organisiert. Erst im Laufe des 3. Jh. v. Chr. scheint sich eine Art Herrschaftsbereich herausgebildet zu haben, der sich beiderseits des Moulouya-Flusses etablierte. In der Geschichtsschreibung ist er als das mauretanische Königreich von Marusia bekannt geworden. In diesem Zusammenhang ist möglicherweise auch die Erwähnung des Masmoudakönigs Baga zu sehen, der im Jahre 204 v. Chr. dem numidischen König Massinissa 4000 Reiter zur Verfügung stellte, welcher als Verbündeter Roms im 2. Punischen Krieg gegen die Karthager kämpfte.

Römer und Byzantiner

VolubilisNach dem 3. Punischen Krieg und dem Fall der Stadt Karthago im Jahre 146 v. Chr. übernahmen die Römer die Herrschaft über die karthagischen Gebiete. Diese gaben den Masmouda auch ihre bis heute geläufigen Namen: Berber und Mauren (Lat. Mauri, von griech. amauros = dunkel). Mauretanien ist also nach der römischen Bezeichnung das "Land der Dunkelhäutigen". Es umfaßt das nördliche Marokko bis zum Fluß Ampsaga (dem heutigen Oued el-Kebir im westlichen Algerien). Die Annalen der Historiker weisen für das erste Jahrhundert unter römischer Herrschaft eine bedeutende Persönlichkeit berberischer Abkunft aus, nämlich Bocchus I. einen Berberkönig, der durch die anfängliche Unterstützung seines Schwiegersohnes Jugurtha, des Numiderkönigs, im Kampf gegen die Römer deren Unwillen auf sich zog. Bocchus I. mußte als Wiedergutmachung seinen Schwiegersohn, der bei ihm nach Beendigung des Jugurthinischen Krieges Zuflucht suchte, an die Römer ausliefern, die Jugurtha hinrichteten. Der zweite und wohl bekannteste Herrscher der Mauren war Juba II., den Augustus im Jahre 25 v. Chr. auf den Thron von Numidien und Mauretanien hob. Er behielt diese Stellung bis ins Jahr 23 n. Chr. Seine Frau Kleopatra Selene, die Tochter der berühmten ägyptischen Herrscherin und des Antonius brachte das griechische Kulturgut nach Nordwestafrika. Juba II. residierte in Jol (Cherchell in Algerien) und in Volubilis, der wohl bekanntesten römischen Stadt in Marokko, die auch schon vor der Römerzeit von Masmouda besiedelt war. 40 n. Chr. wurde Jubas Sohn Ptolemäus auf Caligulas Geheiß in Rom ermordet. In der Folge kam es in Mauretanien zu einer Reihe von Aufständen, die im Jahre 42 von Kaiser Claudius niedergeschlagen wurden. Er teilte die Provinz in zwei Teile: Mauretania Tingitana (Hauptstadt Tanger) und Mauretania Caesarea (Hauptstadt Cherchell). Die Grenze bildete der Fluß Mulucha (Oued Moulouya). Es soll darauf hingewiesen werden, das der römische Einfluß sich auf einen relativ kleinen Teil des heutigen Marokko beschränkte: auf die nördlichen Küstenstädte und (ungefähr) auf die gedachte Linie Sale - Fes - Taza - Oujda. Südlich dieser Linie, die im Jahre 146 teilweise durch einen Limes befestigt wurde, blieben die Berber unabhängig.

Die ersten nachchristlichen Jahrhunderte waren eine Zeit der Wirren, in der es immer wieder einigen Statthaltern gelang, sich für einige Zeit von Rom loszusagen (beispielsweise Firmus, einem Berberfürst, der sich im Jahre 372 als Oberbefehlshaber der mauretanischen Truppen unter Valentinian I. zum Augustus ausrufen ließ). Anfang des 5. Jahrhunderts beherrschte Rom nur noch das Gebiet von Tingis (Tanger) und Septem (Ceuta). Im Jahre 429 kamen die Wandalen über die Meerenge von Gibraltar nach Afrika. Die Berber schlossen sich dem Wandalenkönig Geiserich an. Dieser besetzte Tingis und Septem, zog aber bald mit dem Großteil seines Heeres und einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Berbern gen Osten, um seinen großen Feldzug fortzuführen. Nach dem Tod Geiserichs im Jahre 477 zerfiel das Reich der Wandalen sehr schnell, und die Berber übernahmen die westlichen Gebiete. Der letzte Wandalenherrscher Gelimer wurde von den Truppen Justinians I. unter dem Feldherr Belisar533 besiegt. Kaiser Maurikios (582-602) faßte Tingis und Septem mit einigen südspanischen Küstenstädten und den Balearen zur Provinz Mauretania Secunda zusammen. Dieser Schritt hatte allerdings fast nur noch nominale Bedeutung, denn die Berber waren die faktischen Beherrscher Marokkos, abgesehen von den beiden Küstenstädten.